Schlösser, Burgen, Ruinen und Ansitze in Tirol - Allgemeines

Tirol ist zweifellos reich an Burgen, Schlössen, Ruinen und Ansitzen, wobei historisch gesehen natürlich Gesamttirol betrachtet werden muss. Die Ursprünge vieler wehrhafter Bauten liegt im Dunkeln und sind eng mit der Geschichte des Landes verbunden.

Burgen sind typisch mittelalterliche Bauwerke, bei denen der Aspekt der Sicherheit und Verteidigung im Vordergrund steht. Die Tiroler Landesfürsten ließen solche Anlagen zur Sicherung des Landes errichten. Zahlreiche Burgen gehen aber auch auf die Ministerialen (niedere Adelige, die im Dienste der Landesfürsten standen) zurück. Sie erhielten vom Landesfürst Landbesitz, den sie mit Hilfe der Bauern bewirtschafteten und verteidigten. So manche Burg entstand im Laufe von Streitigkeiten der Ministerialen untereinander oder mit den Landesfürsten. Burgen bewachten aber auch wichtige Verkehrswege, denkt man etwa an das Inntal. Engstellen, Taleinschnitte, der Inn etc. konnten gut kontrolliert werden. Burgen waren oft Sitze der Gerichtsbarkeit, vertreten durch die Autorität eines Richters. Auf Burgen wurde Geld verwahrt, in Burgen fand der Landesfürst Unterkunft, Burgen dienten als Stützpunkte für Jagdausflüge (etwa unter Kaiser Maximilian I.). Burgen sind aber auch Zeichen von Besitz, Reichtum und Macht.

Die noch zahlreich erhaltenen Ruinen zeugen von Streitigkeiten des Adels untereinander, von feindlichen Einfällen aus dem Ausland, aber auch von Verlegungen der Gerichtssitze in bequemere Gebäude in Dörfern und Städten.

Um 1500, in der Zeit Kaiser Maximilians I., vollzieht sich der Wandel von der Burg zum Schloss. Ein schönes Beispiel ist Schloss Tratzberg. Durch die Erzeugung immer besserer Geschütze verliert die Wehrhaftigkeit ihre Bedeutung. Das komfortable Wohnen tritt in den Vordergrund.

Im 16. Jahrhundert entstanden Festungen mit breiten Erdwällen, welche den neuen Waffen standhalten konnten. In Nordtirol ist davon nur noch die Festung Kufstein erhalten, die anderen wurden unter Kaiser Josef II. aufgelassen.

Kleinere Ansitze entstanden ab der Renaissance und waren oft bequeme Wohnbauten verschiedener Hofbeamter. Als Beispiel sei hier Aschach bei Volders angeführt.

Zwischen den einzelnen Burgen bestand ein ausgeklügeltes Nachrichtensystem, die so genannten Kreidenfeuer. Mit Hilfe von großen Feuern konnten Nachrichten rasch übermittelt werden. Deshalb lagen im Inntal die Burgen in Sichtweiter voneinander. Leider sind einige Burgen verschwunden, weshalb dieses System sich nicht mehr an Ort und Stelle nachvollziehen lässt. Es gibt aber noch das so genannte "Verzeichnis der Kreidenfeuer in der Fürstlichen Grafschaft Tirol", in der auch die einstigen Burgen genannt sind.

Burgen prägen unsere Kulturlandschaft, und vor allem Ruinen haben etwas Mystisches an sich. Oft gibt es Rundwanderwege oder einfache Wanderungen, die uns ein Burgenerlebnis verbunden mit unserer herrlichen Natur vermitteln, vor allem im Herbst. Wenn auch zahlreiche Objekte nicht zugänglich sind, so laden sie doch zum Betrachten von außen ein - Zeugen unser Vergangenheit.

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