Ritter Florian Waldauf zu Waldenstein

Schloss Rettenberg (Wandbild 1959: Kaiser Maximilian I. übergibt Burg Rettenberg an Ritter Florian Waldauf)Florian Waldauf wurde als Bauernsohn in Asch bei Abfaltersbach in Osttirol geboren. Der Sage nach soll der hochintelligente Bub aus Langweile beim Viehhüten zwei Kühe an den Schwänzen zusammengebunden haben, die darauf verrückt wurden und von einem Felsen in die Tiefe stürzten. Das war angeblich der Anlass für Florian zur Flucht aus der Heimat. Er besuchte die Lateinschule in Innsbruck und kam an den Hof von Kaiser Maximilian I., der ihn schätzen lernte und ihn mit wichtigen Aufgaben betraute. Als der Kaiser 1488 auf einer Reise durch Verrat in die Gefangenschaft der Bürger von Brügge geriet, befreite ihn ein Heer, in dem sich auch Florian Waldauf befand. Für seine Verdienste damals erhob der Kaiser ihn in den Adelsstand: Ritter Florian Waldauf zu Waldenstein.

Florian Waldauf begleitete den Kaiser auf mehreren Reisen und erwarb sichWappen von Florian Waldauf (zusammengebundene Kuhschwänze) weitere Verdienste. Als ständigen Wohnsitz gab ihm Kaiser Maximilian I. Schloss Alt-Rettenberg, das er abreißen und Schloss Neu-Rettenberg erbauen ließ. Während einer stürmischen Überfahrt auf der holländischen Zuidersee gerieten Maximilian und Florian Waldauf in arge Bedrängnis. Florian Waldauf gelobte die Stiftung einer Kapelle und einer Reliquiensammlung, sollten sie aus der Seenot gerettet werden.

Waldaufkapelle in der Pfarrkirche HallDer Ritter löste seine Versprechen ein. 1501 übertrug er seine große Reliquiensammlung, die er aus ganz Europa zusammengetragen htte, von Schloss Rettenberg in die neu erbaute Waldaufkapelle in der Pfarrkirche Hall. 32.000 Menschen nahmen an dieser Prozession teil. Zu dieser so genannten Heiltumsammlung kamen unzählige Besucher. Ein kleiner Teil dieser Reliquien ist noch in der Pfarrkirche erhalten.

Bei Reliquien handelt es sich um Reste von Verstorbenen, meist um Knochen. Oft glaubte man, diese Reliquien stammten von Heiligen. Im Mittelalter war man überzeugt, dass man von den Resten Verstorbener deren geistige Kraft übernehmen könne. Zudem Reliquie der einstigen Reliquiensammlung in der Waldaufkapelle in Halldienten die Reste von Heiligen als Fürbitter bei Gott für die Anliegen der Menschheit.

Florian Waldauf gründete auch die "Haller Stubengesellschaft", in der reiche und angesehene Tiroler Bürger, vor allem solche aus Hall, in einer Art Bürgeradel versammelt waren. Diese Gesellschaft gibt es noch heute. Sie kümmert sich vor allem um kulturelle Fortbildung. Der Ausdruck "Stubengesellschaft" stammt von einer Trinkstube in einem Haller Bürgerhaus.

1510 starb Florian Waldauf auf Schloss Neu-Rettenberg.

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