Kanzler Dr. Wilhelm Bienner

Nach dem Tod des Tiroler Landesfürsten Erzherzog Leopold V. folgte seine Gattin Claudia von Medici als Regentin nach. Sie fand in Dr. Wilhelm Bienner einen tüchtigen Beamten, der sich an die Spitze der Regierung emporarbeitete und gute Erfolge erzielen konnte. Leider ging er einerseits gegen seine Untergebenen oft sehr energisch vor und schaffte sich deshalb zahlreiche Feinde, andererseits hatte er wegen seine Erfolge durch die Unterstützung von Claudia von Medici auch viele Neider.

Nach dem Tod Claudias übernahm ihr ältester Sohn Erzherzog Ferdinand Karl die Regierung, ein schwacher und unentschlossener Regent. Schmeichler konnten ihn gegen Kanzler Bienner einnehmen, worauf Ferdinand Karl ihm wegen allerlei angeblicher Vergehen den Prozess in Rattenberg machen ließ. Die meisten Anschuldigungen konnte Bienner widerlegen, doch der Prozess war eine abgekartete Angelegenheit. Kanzler Bienner wurde enthauptet. Der Schwertstreich des Henkers war so kräftig, dass nicht nur das Haupt, sondern auch die vor dem Haupt zum Gebet gefalteten Hände abgetrennt wurden. Ein in allerletzter Minute unterzeichnetes Gnadengesuch wurde von seinen Feinden abgefangen. Als der Überbringer in die Burg einritt, hörte er schon das Totenglöcklein läuten.

Die Sage vom Biennerweibele
Kanzler Bienner lebte auf Schloss Büchsenhausen in Innsbruck. Als seine Frau von seinem Tod hörte, stürzte sie sich von der Martinswand in die Tiefe. Seither soll sie in Schloss Büchsenhausen als Geist herumwandern und jeweils dann erscheinen, wenn ein Mitglieder der Familie, der gerade Büchsenhausen gehört, stirbt.

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