Naudersberg als Gerichtssitz

Vom ausgehenden 13. Jh. bis 1919 war Burg Naudersberg Sitz eines Pflegers (= Richters). Das Gericht Naudersberg, ein Teil der Grafschaft Vinschgau, unterstand den Grafen von Tirol. Zum Gericht gehörten die Dörfer Reschen, Graun, St. Valentin und Langtaufers, außerdem das Unterengadin bis Pontalt bei Zernez (bis 1652), das Oberpaznaun mit Ischgl und Galtür sowie das Samnaun und zeitweise auch Pfunds.

Der Richter musste ein Tiroler sein und bis ins 17. Jh. die rätomanische Umgangssprache beherrschen. Über viele Jahrhunderte gab es im Raum von Nauders neben den Rätoromanen nur wenige deutsche Familien, die als "Freisassen" besondere Vorrechte besaßen. Sie durften im Kriegsfall hoch zu Ross ausrücken, ein Wappen führen und auch andere Adelsvorrechte beanspruchen. Bis 1633 waren sie im Tiroler Landtag in der Adelskurie vertreten.

Nach der Dreiteilung Tirols im Jahre 1919 musste der südlich des Reschenpasses gelegene Teil des Gerichts an Italien abgetreten werden. Der bei Österreich verbliebene Teil verlor die notwendige Mindestgröße für ein Bezirksgericht. Daher wurde der Gerichtssitz aufgelassen und zunächst nach Ried, später nach Landeck verlegt.

Man spricht vom "Oberen Gericht" und versteht darunter die Gegend zwischen Landeck und dem Reschenpass.

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