Östlich von Zirl erkennt man auf der Nordseite des Inntals direkt Martinsbühel (einstiger Palas der Burg)unter der Martinswand einen Hügel, den geschichtsträchtige Martingsbühel. Heute sieht man dort einige Häuser stehen, zwischen denen sich noch Reste der einstigen Burg Martinsbühel befinden.

Die Martinswand trennt das Ober- vom Unterinntal. Mit dem Inn und dem rund 25 m hohen Martinsbühel bildet sie eine natürliche Sperre auf der linken Talseite, was etwa bei den Kämpfen der Tiroler gegen die eindringenden Bayern im Jahre 1703 zum Tragen kam.

Von der Bundesstraße östlich von Zirl zweigt eine kleine Straße zum Hügel ab. Man kann direkt dorthin fahren.

Ein mächtiges Gebäude mit noch romanischen Steinmauern stellt Martinsbühel (Wappen von Tirol)den einstigen Palas der Burg dar, das Hauptwohngebäude. Dort finden sich noch Reste romanischer Fenster- und Türöffnungen. Besonders gut sichtbar ist das vermauerte Rundbogenportal im zweiten Geschoss der Südwand. Das Spitzbogenportal an der Westseite stammt aus der Zeit von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen.

Sehr alt ist auch das Martinskirchlein, die einstige Burgkapelle. Es handelt sich dabei um einen einfachen Saalbau mit hohem Satteldach, einem Dachreiter mit barockem Zwiebelhelm und einem Martinsbühel (Kapelle)spätgotischen Netzrippengewölbe. Vermutlich ist das Kirchlein ein Werk von Niklas Türing, dem Hofbaumeister Kaiser Maximilians I. um 1500. Innen befinden sich eine spätgotische Madonna (Ende 15. Jh.), ein ergreifendes Kruzifix aus dem 17. Jh. und spärliche Reste romanischer Wandmalereien (um 1200).

Wahrscheinlich residierte hier im 6. Jahrhundert für kurze Zeit der rätische Bischof Martinus. Eine frühchristliche Kirche aus dieser Zeit lässt sich nachweisen.

  • Auf dem strategisch wichtigen Hügel siedelten schon in der Martinsbühel (Hl. Martin in der Kapelle)jüngeren Eisenzeit Menschen.
  • Die Römer errichteten hier eine Innbrücke, über welche die Hauptstraße vom Brenner nach Augsburg führte. Das Nachschublager Teriolis gab dem etwas westlich liegenden Ort Zirl seinen Namen. Hier hatte ein hoher Nachschuboffizier seinen Amtssitz.
  • Im Mittelalter entstand eine kleine Burganlage, die an den Tiroler Landesfürsten Graf Meinhard II. von Tirol gelangte.
  • Herzog Friedrich IV., Erzherzog Sigmund der Münzreiche und Kaiser Maximilian I. ließen die Burg zum Jagdschloss ausbauen. Die Anlage eines Tiergartens, derMartinsbühel (spätgotische Madonna mit Kind in der Kapelle) Bau mehrerer Wirtschaftsgebäude und großer Stallungen wurden durch die Einnahmen des Zirler Zolls finanziert. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg gab es hier nämlich eine Innfähre.
  • 1888 kam Martinsbühel an die Benediktiner von Stift St. Peter in Salzburg. Benediktinerbrüder errichteten hier eine Art Handwerksschule, in der zahlreiche Meister des Schneider-, Schuster-, Schlosser- und Gärtnergewerbes ausgebildet wurden.
  • 1940 wurden die Benediktiner enteignet und vertrieben. Nach dem Krieg zogen Schwestern des Benediktinerinnenklosters Scharnitz in Martinsbühel ein. Sie betreuen eine Sonderschule mit einem Heim für geistig und körperlich behinderte Mädchen.

Kloster und Kinderheim Martinsbühel
Tel.: 05238/52226

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