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4. Der Bau einer Burg

Denkt man über den Bau einer Burg nach, dann wird einem klar, dass es sich um ein gigantisches Unternehmen handeln musste. Die Werkzeuge und technischen Geräte waren primitiv und spärlich, die Gefahren groß. Wie viele Tote hat es wohl beim Bau der hohen Mauern auf den steil abfallenden Felsen gegeben? Darüber gibt es kaum Auskünfte.

Gebaut wurden Burgen grundsätzlich von der Bevölkerung, die im Bereich des Burgherrn lebten und seine Untertanen waren. Diese Leibeigenen mussten Frondienste leisten, so genannte Hand- und Spanndienste, auch Fronden oder Roboten genannt. Das heißt,  wenn der Burgherr sie benötigte, mussten sie Haus und Hof verlassen und für ihn arbeiten: Brückenbau, Häuserbau, Burgenbau. Dazu mussten sie ihre eigenen Ochsengespanne zur Verfügung stellen. Geschick und Erfahrung waren nötig, statische Berechnungen gab es kaum. Baumeister sind grundsätzlich unbekannt. Handwerker arbeiteten in Teams zusammen. Da gab es Maurer, Steinmetze, Tischler, Schmiede, Zimmerleute und eine Menge Hilfsarbeiter. Unter schwierigsten Bedingungen musste das Material herangeschafft werden. Vor allem Ochsenkarren dienten dazu.

Aus der Abrechnung des Baus einer großen englischen Burg gewinnt man einen Einblick in den Zeit- und Arbeitsaufwand: sieben Jahre Bauzeit, in der Hauptzeit waren 227 Maurer, 115 Steinmetze, 30 Schmiede, 30 Zimmerleute und über 500 Hilfskräfte beschäftigt.

Das Baumaterial richtete sich nach dem Angebot der Umgebung, meist war es Stein. Als Bindemittel diente ein aus Sand, Kalk und Wasser hergestellter Mörtel. Die großen Steinklötze konnten mit Hilfe von Baumstämmen, Rollen, Flaschenzügen und primitiven Kränen (meist ein Laufrad, in dem ein oder zwei Männer rannten) bewegt werden. Abgesehen von Stein wurde sehr viel Holz verwendet, vor allem für Böden, Treppen, Wandverkleidungen, Dächer. Stroh, Schilf und Holzschindeln fanden Verwendung beim Dachdecken. Erst im 14. Jh. kamen Stein- und Ziegeldächer auf.

Heute sind viele noch erhaltene Burgen bzw. die Ruinen davon von Wald und Laubwerk umgeben. Früher stand die Burg natürlich frei da. Einerseits war eine gute Sicht nach allen Seiten nötig, andererseits durften Angreifer keine Möglichkeit der Deckung im Gelände finden.

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